Platonische Körper

Fünf Körper hat die mächtige Natur erzeugt
Die treffend man als einfach bezeichnet
Denn in jedweder Mischung finden sie vereint sich
Und fügen ordnungsmässig sich zusammen.
Rein, unvermischt und makellos erschaffen
Als Feuer, Wasser, Himmel, Luft und Erde
Zahllosen Keimen gaben sie den Ursprung
Nach Plato’s Meinung, und als erste Form.
Doch weil vom Leeren der Natur erschreckt
Nach Aristoteles in Erd‘ und Himmel
Nicht können sie für sich allein besteh’n.
Und keiner Art begegnet unser Auge.
Doch Plato’s Geist und dem Euklid gelang es
Fünf kugelart’ge Körper zu entdecken
Von regelrechter Form und schönem Anblick
Von gleichen Flächen und von gleichen Kanten,
Und doch ein sechster kann niemals entstehen.
Sonett von Fra Luca PACIOLI. In: Divina Proportione (Die Lehre vom Goldenen Schnitt) nach der venezianischen Ausgabe von 1506 übersetzt und erläutert von C. Winterberg, Wien 1889, Seite 250.

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