Deutschlands nördlichste Kugel

nördlichste Kugel DE
alte Grenztonne im Lister Hafen / Sylt

Die vermutlich nördlichste Kugel Deutschlands: Eine ehemalige Grenztonne, die die Seegrenze zwischen Dänemark und Deutschland markierte.

Die kugelrunde Form sieht aus allen Richtungen gleich aus und eignet sich daher visuell gut als Seezeichen. Als hohle Stahlkugel hat sie zudem den nötigen Auftrieb.

Heute zu sehen an der Flaniermeile an der Tonnenhalle im Hafen von List auf Sylt.

Alles zu seiner Zeit

Würfel-Bäumchen in Herdecke
Würfel-Bäumchen in Herdecke

Einer Erzählung nach bot der Teufel einem Bauern viel Reichtum. Als Gegenleistung sollte der Bauer seine Seele dem Teufel überlassen. Und zwar dann, wenn alle Bäume ohne Blätter sind.

Der Bauer ging darauf ein – aus gutem Grund. Wenn die ersten Bäume im Frühjahr ihre Blätter treiben, haben andere ihre Vorjahres-Blätter immer noch nicht abgeworfen. Irgendein Baum hat also immer irgendwann Blätter. Das hat der Teufel dann nach einiger Zeit auch gemerkt. Und hatte das Nachsehen.

Und die hier abgebildeten Würfel-Bäumchen in Herdecke sind sogar von der gleichen Baumart (Eichen). Sie erinnern in ihrem streng-geometrischem Beschnitt an die französische Gartenbau-Kunst.

Jeder Mensch ein Geometer

Geometrie von Geo (Erde) und Metrie (messen). Fragt sich wer die Erde (und überhaupt) mißt. Das kann ja wohl nur der Mensch sein – wenn er es denn tut. Irgendwann jeder einmal.

Jedes Weltbild – und wohl auch Menschenbild – hat geometrische Grundlagen. Zum Beispiel bei den Fragen, ob die Erde eine Scheibe sei oder eine Kugel, ein Geoid oder ein Stern; ob die Sonne oder die Erde der Mittelpunkt der Welt ist, ob die kosmische Weltordnung zentral-peripher geordnet ist, oder alles nur relativ zueinander.

Und auch im Mikrokosmos spielen geometrische Gedanken eine tragende Rolle. Chemie, Physik – undenkbar ohne Geometrie. Alle Materie ist geometrisch geordnet, im Kleinen wie im Großen. Man sieht, sobald diese Fragen angeschnitten werden ist jeder Mensch in einem ganz einfachen Sinn ein Geometer.

Die Rubrik 100+x Geometer stellt 100 und mehr Menschen vor, die eine geometrische Idee anschaulich machen im künstlerischen, wissenschaftlichen, technischen, handwerklichen, pädagogischen Sinn u.v.m.

Dafür und in diesem Sinn muss man kein Geometer im engeren Sinne der Berufsbezeichnung „Geometer“ sein.

Revolution des Tetraeders

"tanzendes" Tetraeder von Simone JASINSKI in Witten
„tanzendes“ Tetraeder von Simone JASINSKI in Witten

Kennen Sie „die Revolution des Viadukts“ von Paul KLEE? Hier sehen Sie die „Revolution des Tetraeders“. Mitten in Witten. In der Bahnhofstraße. Man kann mit der Straßenbahn dran vorbei fahren. Die Linie 309 in Richtung Heven Dorf aus dem rechten Fenster in Fahrtrichtung. Direkt gegenüber dem syrischen Schnellrestaurant, früher im Sommer eine Eisdiele, und im Winter eine Boutik. Wenn Sie schon mal in Witten waren, wissen sie vielleicht, was ich meine. Und auf der gegenüberliegenden Seite, ich meine gegenüber der ehemaligen Eisdiele, jetzt syrisches Schnellrestaurant, da wird getanzt. Und zwar tanzt das Tetraeder (bitte: das Tetraeder, nicht der Tetraeder). Oder vielmehr tanzen die vier Seiten des Tetraeders (des: ist richtig). Wenn man genau hinsieht sind es nur drei, aber so, daß man meint, die vierte Fläche wäre da. Aber was sage ich, es sind ja noch nicht einmal Flächen, sondern nur Andeutungen davon, Assoziationen sehe ich. Denn es ist alles so verbogen, pardon, sphärisch gerundet, und der Blick geht durch und durch – es wird getanzt, eben.
(für Hanns Dieter HÜSCH)

LXIX Kosmos

Ob sich in Klängen wie zu freier Wahl
im Keplerschen Gesetz ihr Sinn enthüllt,
es muß wohl sein, daß diese Welt erfüllt
geheimnisvolle Harmonie der Zahl.

In Strahl und Schwingung zu gemessnem Spiel
umwebt sich aller Stoff und löst sich wieder,
und alle Formen sind gewollte Glieder
in einem Weltgesetz – vor einem Ziel. –

Wer je den großen Bau der Welt bedacht,
und fühlte nicht, wie Gottes hoher Geist
noch über den Gesetzen wacht und kreist –

wie blind erscheint, wer Schöpfertum verlacht!
Wir kennen kaum den kleinsten Teil davon:
Gesetz ist Wunder, Zahl ist Weltenton.

Aus den Moabiter Sonetten von Albrecht HAUSHOFER (1903 – 1945) zu seinem 103. Geburtstag

Mond basteln

Mond basteln: mit einem Bastelbogen vom DLR
Mond basteln: mit einem Bastelbogen vom DLR

Es ist bemerkenswert: der Mond zeigt uns immer die gleiche Seite. Auf seine Rückseite können wir nur schauen, wenn wir selbst hinfliegen. Aber wer kann das schon.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bietet einen Bastelbogen vom Mond zum Download an, der es einem ermöglicht einen Blick auf die ganze Mondoberfläche zu werfen.
Wählt man dafür einen gelblichen Karton, so erscheint er ziemlich echt.

Die Form des Ikosaeders wurde für den Bausatz deshalb gewählt, weil dadurch die Verzerrungen bei der Übertragung von der Kugelform zur ebenen Abbildung sehr gering sind. Dem DLR einen herzlichen Dank für die Erlaubnis, den Bastelbogen hier abbilden zu dürfen! Andere Himmelskörper sind laut DLR in Vorbereitung.
Von anderen Anbietern gibt es die Erde in verschiedenen Darstellungsformen und Bauformen. Davon später einmal mehr.

Kürpigsches Tetraeder

Kürpigsches Tetraeder vor dem Mathematikum in Giessen
Kürpigsches Tetraeder vor dem Mathematikum in Giessen

Auf einer Stange ruhen 19 rechteckige, zueinander parallele Stahlplatten. Die mittlere ist ein Quadrat.

Die Stange ruht in einer U-förmigen Einlassung an der Außenwand. Je nach Blickwinkel ergibt sich ein vielseitiger Blickwinkel auf eine Tetraeder-Form.

Das ist das Kürpigsche Tetraeder, benannt nach seinem Schöpfer, Friedhelm KÜRPIG, Architekt, Professor em. für Darstellende Geometrie und nun Geometrie-Künstler. Viele seiner Arbeiten finden sich auf seiner Homepage.

Sein Tetraeder steht vor dem Mathematikum in Giessen, das von Albrecht BEUTELSPACHER ins Leben gerufen wurde.

Den Platonischen Polyedern

Ihr ebenmäßigen Raumgebilde
In Flächen, die im Kugelmantel schweben,
Mit Kugeln innen-außen zu umgeben,
Ihr – widerspiegelnd Gottes zugleich milde

Und strenge Ordnung -, die das Ursprungswilde,
Das Chaos, ins kristallne Maß erheben:
Ihr bleibt Idee zwar – und gewinnt doch Leben
In meines innern Auges reinem Bilde.

Sah Plato euch beseelt mit Kosmosgeist,
Hat Euler euch aus Zahlen abgeleitet,
Euch, die ihr mich auf Höheres verweist,

Euch Boten, die ihr deutend mich begleitet
Und mir das Schauen reiner Form verheißt
Das Gott einst ewig meinem Blick bereitet.

Gerhard BILLIG, 1983

Skulptur für eine Ebene

"Skulptur für eine Ebene" von André VOLTeN
„Skulptur für eine Ebene“ von André VOLTEN

Diese Arbeit von André VOLTEN findet sich im Skulpturenpark beim Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg.

Auf den ersten Blick: Grundlagen der Darstellenden Geometrie für Riesen, Einführungskurs, erste Einheit.

Auf den zweiten: wenn man pädagogisch in dieser Materialität und Dimension arbeiten würde, das hätte nachhaltige, positive Wirkung. Denn alles was groß ist und materiell durch die eigenen Hände geht, bleibt besser in Erinnerung als theoretische Formeln, die wenig Erlebnisqualität haben.

(zum 15. Todestag von André VOLTEN)